Navigationsgeräte sind wohl eher (noch) Spielzeug

Gestern bin ich von unserem einwöchigen Toskana-Ausflug zurückgekehrt, und bei der Gelegenheit habe ich zum ersten Mal eines dieser kleinen Wegstrecken-Helferlein ausprobiert. Es war ein Navigon 3110, aber das ist eigentlich unerheblich und nur insofern von Belang als dass ich den Kartenbestand von ganz Westeuropa einschl. der Städte zur Verfügung haben wollte.

Am Anfang ging noch so weit alles gut. Das Gerät war einigermaßen fix eingerichtet, auch wenn die Behelfsmontage mit Saugfuß an der Frontscheibe, Stromzuführung über die ZA-Buchse, Zwischenkabel mit TMC-Empfänger, daran angeschlossener Wurfantenne und deren eigener Befestigung mittels zweier weiterer Saugfüßchen das Cockpit schon etwas unaufgeräumt wirken ließ. Die Führung über die Autobahnen bis nach Italien war unproblematisch, und bis Südtirol gab es auch einen TMC-Empfang, also die Informationen, die dem Gerät eine automatische Stauumfahrung ermöglichen sollen. Ob das funktionieren würde, weiß ich nicht, weil die Gelegenheit fehlte. Wenn ich dann die vorgeschlagene Route verlassen musste, weil die Straße gesperrt war, merkte das Gerätchen das auch meistens recht schnell und rechnete eine Alternative aus. Diese war nur manchmal nicht den Gegebenheiten entsprechend, weil die Sperrung länger war als nur bis zur nächsten Rückführungsmöglichkeit. Das hätte ich ja eingeben können, wenn ich es nur selbst gewusst hätte. Außerdem passierte es, dass wenn man der gesperrten Strecke geografisch zu nahe kam, der elektronische Copilot annahm, dass man wieder auf die ursprünglich vorgesehene Straße zurück gekehrt wäre. Die Frauenstimme mit dem moralischen Unterton verlangte dann "Bitte wenden". Wegen der leichten Quängeligkeit hat mein Herzblatt das Gerät dann Susi getauft, nach unserer ähnlich quängeligen Nachbarskatze, wenn man dieser verwehrt, mitten in der Nacht bei ihrem Frauchen zu klingeln, damit sie eingelassen wird.

In den folgenden Tagen häuften sich dann die Unzulänglichkeiten, die den Nutzwert eines solchen Gerätes nach meinen wohl etwas verwöhnten Ansprüchen stark mindern: Straßenverläufe und Verkehrsführungen, die sich - nach dem Straßenzustand zu urteilen - schon länger geändert haben müssen, waren im Datenbestand nicht berücksichtigt. Es fehlten Straßennamen, was lästig ist, wenn nach den "80 Metern", nach denen abzubiegen ist, in kurzer Folge vier Querstraßen folgen, und man im Display nicht erkennen kann, welche nun gemeint ist. Wollte man in der Kartenübersicht nachvollziehen, wo man sich jetzt hin "vernavigiert" hatte, musste man erst auf eine bestimmte Stufe hinaus zoomen, um überhaupt den Ortsnamen angezeigt zu bekommen.

Die Routenplanung ist auch im Vorfeld auch kaum möglich: Eine errechnete Route kann man nicht anhand einer Liste überfliegen, man muss sich dem vorgezeichneten Verlauf entlang hangeln und dabei dann hinein und hinaus zommen, um an die schriftlichen Informationen zu gelangen. Eine Änderung der Route ist nur umständlich über künstliche Zwischenziele möglich, wenn man z. B. inzwischen weiß, dass eine Ortschaft oder eine bestimmte Straße (s. o.) gesperrt ist.

Als einen Stadtführer habe ich nur einmal versucht, den Wegerechner zu benutzen. Meistens wusste er nicht, in welche Richtung ich stehe, weil ich vermutlich zu langsam laufe, und an der Übersichtlichkeit mangelte es ja ohnehin, insbesondere wenn man an der Kreuzung zweier Gassen steht, die zwar auf dem Display zu sehen sind, nicht aber ihre Namen.

Diese Hemmnisse sind nicht gerätespezifisch. In der Zwischenzeit habe ich mit anderen Navi-Usern gesprochen, und mir auch andere Geräte angesehen, die ich auf meine Malus-Liste hin abgeklopft habe. In dem einen oder anderen Punkt ist ein beliebiges anderes Gerät möglicherweise besser, hat dann aber wieder größere Mängel an anderer Stelle. Das Kartenmaterial betreffend war keines der anderen von mir betrachteten Geräte besser, wie ich aufgrund ausgewählter Adressen überprüft habe, zu denen ich in der letzten Woche nicht mit Susis Hilfe, sondern nur mit der von Einheimischen gelangt war.

Somit hatte es auch keinen Sinn für mich, das Gerät umzutauschen, denn ein Besseres war nicht in Sicht. Vielleicht versuche ich es nächstes Jahr mal wieder - hoffentlich mit einer "Lucy" oder einer "Clementine", die für alle Wegstreckenprobleme eine Lösung haben.

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